Kennst du das Gefühl, dass dein Leben irgendwie noch gar nicht richtig begonnen hat?
Ich muss gestehen, ich kenne das Gefühl zu gut. Letztes Jahr im Juli 2025 bin ich 30 Jahre alt geworden. Und erschreckenderweise habe ich festgestellt: Ich habe keine Angst vorm Älter werden, ich habe Angst mein Leben nicht genug gelebt und ausgekostet zu haben! Für mich war die 30 deswegen ständig eine Erinnerung daran, was ich noch nicht gemacht, nicht gesagt, nicht probiert habe!
Ich glaube nicht einmal, dass uns wirklich etwas fehlt. Sondern wir eher ständig auf den richtigen Moment warten. Meine typischen Ausreden waren: wenn die Kinder größer sind, wenn es auf der Arbeit ruhiger wird, wenn ich endlich mehr Zeit habe, wenn ich selbstbewusster bin, wenn es mir besser geht… Einfach wenn ich mich BEREIT fühle.
Aber während wir warten, vergeht Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr. Es ist bequem, gemütlich, vorhersehbar. Verlockend, weil unser Gehirn Sicherheit liebt!
Unser Gehirn liebt Sicherheit
Aus psychologischer Sicht ist der Wartemodus kein Zeichen von Faulheit oder mangelnder Disziplin, sondern ein Schutzmechanismus. Unser Gehirn bevorzugt das Vertraute – selbst dann, wenn es uns nicht glücklich macht. Denn Veränderung bedeutet immer Unsicherheit und diese wird von unserem Gehirn zunächst als potenzielle Gefahr bewertet.
Deshalb fängt es an, uns Geschichten zu erzählen. Und wir glauben sie zu gerne, damit wir einen Grund haben, nichts verändern zu müssen. „Noch nicht.“, „Später.“, „Wenn du bereit bist.“..
Aber wenn sich dieses „später“ immer weiter nach hinten verschiebt, fragen wir uns irgendwann, wo die Zeit hin ist. Genauso wie ich, an meinem 30. Geburtstag.
„Du wirst nicht Selbstbewusst, indem du auf Sicherheit wartest. Du wirst Selbstbewusst, indem du handelst, obwohl sie fehlt.“
Das eigentliche Problem
Jedes Mal, wenn wir eine Chance aus Angst nicht ergreifen, verpassen wir mehr als nur einen einzelnen Moment. Wir verpassen Erfahrungen, Begegnungen und Möglichkeiten, die uns weiterbringen und an denen wir wachsen könnten.
Wir lernen einen Menschen nicht kennen, der unser Leben bereichert hätte. Beginnen nie das Hobby, das uns erfüllt hätte. Sprechen unsere Meinung nicht aus, bewerben uns nicht auf den Job, von dem wir träumen, oder trauen uns nicht, sichtbar zu werden. Nicht, weil wir es nicht könnten – sondern weil die Angst lauter ist als unsere Sehnsucht.
Mit der Zeit fühlt sich das Leben dadurch oft sicher an, aber nicht lebendig.
Lebendigkeit entsteht nicht dort, wo wir alles kontrollieren können. Sie erhält dort ihre Chance, wo wir bereit sind, Neues zuzulassen. Trauen wir uns, etwas neues auszuprobieren, obwohl wir das Ergebnis nicht kennen? Denn genau das bedeutet Vertrauen: nicht die Gewissheit zu haben, dass alles gut ausgehen wird, sondern daran zu glauben, dass wir mit dem umgehen können, was kommt.
Und genau hier begegnet uns auch die Verletzlichkeit, sie spielt eigentlich bei fast allen Themen der persönlichen Weiterentwicklung ein Rolle. Sie zeigt sich jedes Mal, wenn wir den Mut haben, uns zu zeigen und unseren Träumen nachzugehen, obwohl wir scheitern könnten.
Und ja, wir werden wahrscheinlich scheitern. Vielleicht mehrmals, aber es wird auch der Moment kommen, in dem wir stolz auf uns sind, weil wir uns getraut haben und es funktioniert hat. Verletzlichkeit fühlt sich im ersten Moment oft wie ein Risiko an, aber in Wahrheit ist sie ein wesentlicher Bestandteil für ein authentisches Leben. Denn ohne sie bleiben wir zwar vor manchen Enttäuschungen geschützt – verschließen uns aber gleichzeitig vor all den Erfahrungen, die unser Leben reich, echt und lebendig machen.
Was wäre, wenn der richtige Zeitpunkt nie kommt?
Stell dir vor, du blickst in einigen Jahren auf dein Leben zurück. Die Kinder sind groß, der Alltag hat sich verändert oder dein Körper macht manches nicht mehr so selbstverständlich mit wie heute. Der Moment um es möglich zu machen ist vorbeigezogen und es gibt Träume, für die dir die Kraft fehlt oder Möglichkeiten sind einfach nicht mehr da. Das Leben schenkt uns keine Garantie dafür, dass später alles einfacher wird. Niemand weiß, wie viel Zeit ihm bleibt oder welche Herausforderungen noch kommen.
Auch wenn es wie ein Klischee klingt, es ist einfach zu wahr: Genau deshalb ist das Heute so wertvoll!
Kleine Schritte verändern mehr als große Vorsätze
Jeder kleine Schritt, den du heute gehst, ein Schritt ist, den du dir später nicht mehr wünschen musst gegangen zu sein.
Kleine Schritte könnten zum Beispiel so aussehen:
Eine ehrliche Antwort, nicht die Antwort die erwartet wird.
Ein kurzer Moment ehrlicher Blickkontakt, nicht wegsehen weil es sich zu intim anfühlt.
Das schöne Kleid an einem normalen Wochentag tragen, nicht auf den passenden Moment warten.
Die riskante Nachricht abschicken, auch wenn du die Antwort nicht kontrollieren kannst.
Melde dich für den Kurs an, auch wenn du dort niemanden kennst.
Hör auf, auf Motivation zu warten.
Wir denken oft, wir müssten uns zuerst motiviert fühlen, um etwas zu verändern. Doch Motivation entsteht häufig erst nach dem ersten Schritt. Nicht davor. Warte also nicht darauf, dass sich etwas anders anfühlt. Geh einen kleinen Schritt – und beobachte, was sich dadurch verändert.
Eine wichtige Frage
Wenn du also vielleicht jetzt beschlossen hast, dein Leben nicht mehr aufzuschieben, ist hier die Frage, die mir persönlich schon ganz oft geholfen hat:
„Treffe ich diese Entscheidung, weil ich mein Leben gestalten möchte – oder weil ich versuche, mich vor einem möglichen Risiko zu schützen?“
„Zwischen dem Leben, das du führst, und dem Leben, das du dir wünschst, liegen oft nur die Entscheidungen, die du immer wieder aufschiebst.“
Wenn du das Gefühl hast, dich in diesem Artikel wiedergefunden zu haben…
…dann möchte ich dir etwas mitgeben:
Ich habe es in einem Jahr geschafft, mein Denken neu zu strukturieren und meinen Fokus neu auszurichten. Ich habe beschlossen, dass ich ein Leben aus ganzem Herzen führen möchte. Und ich möchte andere Frauen dabei unterstützen, die das ebenfalls erreichen möchten. Lebendig. Frei. Echt.
Genau dafür habe ich mein Workbook „Sichtbarkeit“ entwickelt. Es ist der erste Teil der „Übe die Kunst, Sie zu sein“ Reihe, welches Tools und Reflexionsfragen beeinhaltet, die dir dabei helfen, Sichtbar zu werden und wieder mehr Raum einzunehmen.
Denn das Leben wartet nicht.
Die Frage ist nur: Wie lange möchtest du noch warten?







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